alternative Reitweise

 

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[Vorwort] [Pferdepsychologie] [Grundausbildung] [alternatives Reiten]

Tellington-Jones, Parelli, Roberts und Co.

Es gibt inzwischen viele alternative Pferdeausbilder auf dem Markt. Jeder hat seine Befürworter und jeder auch seine Gegner. Ich glaube, man kann bei aller – teilweise gerechtfertigter – Kritik diesen Menschen einfach im Positiven unterstellen, dass sie sich sehr viel Gedanken um die Themen gemacht haben:

    • Wie schaffe ich ein Vertrauensverhältnis?
    • Wie versteht mein Pferd mich besser?
    • Wie kann ich mein Wünsche durchsetzen ohne nur drauf zu schlagen?
    • Wie lassen sich die reiterlichen Einwirkungen minimieren?

Welche dieser Lehren nun die Beste oder gar einzig richtige ist, lässt sich ebenso beantworten, wie die Frage der einzig wahren Religion. Wer sich die Mühe macht, die Veröffentlichungen der verschiedenen Ausbilder–„Gurus“ (das ist jetzt nicht negativ gemeint) zu studieren und sich auch mal die eine oder andere Präsentation anzusehen, wird feststellen, dass die Inhalte ihrer Lehren einander stark ähneln. Es geht um die Harmonisierung des Zusammenseins zwischen Pferd und Mensch, also um Ethik und Anstand (wie auch bei den Religionen).

Und als Ergebnis sieht man ein Pferd, das dem Menschen am Boden ohne Einsatz von technischen Hilfsmitteln aufmerksam und freundlich zugewandt folgt oder ein Pferd, dass ohne Sattel und Zaumzeug scheinbar durch Gedankenübertragung von seinem Reiter durch schwierige Aufgaben oder Lektionen dirigiert wurde.

Das ist doch Positiv – oder?

Wer hat nicht voller Bewunderung gedacht: Das würde ich auch gerne können, aber mein Pferd....

Ein Pferd so Reiten zu können, ist natürlich ein hochgestecktes Ziel, dennoch ist es erreichbar. So mancher Reiter wäre aber schon zufrieden, wenn er sein Pferd am losen Zügel reiten könnte (ohne dass es auf die Vorhand fällt) und es auf eine feine Hilfengebung reagiert.

Nach welchem dieser Ausbilder man nun mit seinem Pferd arbeiten möchte, ist meiner Meinung nach einfach „Geschmackssache“. Jedes Pferd ist ein Individuum und bei dem Einen funktioniert Parelli besser, das Andere zeigt eine ganz tolle Veränderung nach einem Join-up, wieder ein anderes ist so verspannt, dass man ihm erstmal über den T-Touch eine Erleichterung verschaffen muss, damit sein Mensch Zugang zu ihm findet. Hinzu kommt, dass auch jeder Mensch individuell ist und deshalb für sich selbst sehen muss, welche Anregungen seinen eigenen Interessen und auch motorischen Fähigkeiten am besten entsprechen. Im Folgenden möchte ich einige Elemente der alternativen Reitweisen vorstellen, die ich persönlich als sinnvoll erachte und sie deshalb auch in der Praxis anwende mit dem Ergebnis wirklich leichtrittiger Pferde.

Die minimalistische Hilfengebung

Impulsreiten

Damit das Pferd auf uns hört, müssen wir erst mal erreichen, dass es auf uns horcht, das seine Aufmerksamkeit bei uns ist. Dazu müssen wir die abstumpfende Reizüberflutung durch ständiges Kommando geben einstellen. Es hat sicherlich jeder schon mal selbst die Situation erlebt, dass ein Gesprächspartner pausenlos auf uns eingeredet hat. Die Folge war: wir haben abgeschaltet und nicht mehr wirklich zugehört. Das gleiche geschieht auch beim Pferd.

Also sollten wir unseren „Redeschwall“ abstellen und nur „reden“, wenn wir wirklich was zu sagen haben. Damit entfällt das in der klassischen Reitweise übliche Dauertreiben bei jedem Schritt und auch die damit sich zwangsläufig einstellenden Schenkeltaubheit des Pferdes. Beim Impulsreiten wird das Pferd aufgefordert etwas zu tun, z.B. Antraben. Sobald es dem Kommando folgt, begnügt sich der Reiter damit, weich in der Bewegung des Pferdes mitzugehen und es nicht in seinem Bewegungsablauf zu stören. Das Pferd hat seine Bewegung beizubehalten, bis der Reiter seinen Wunsch nach einer Änderung mitteilt. Nur bei gewünschter Veränderung erfolgt ein Kommando.

Das „Mitgehen“ in der Bewegung

Wenn man sich ganz passiv auf ein gehendes Pferd setzt – am Besten mal ohne Sattel -  und genau hinfühlt, wie der Pferderücken schwingt, wird man feststellen, dass man nicht nur vor und zurück „geschaukelt“ wird, sondern auch abwechselnd nach rechts und links. Der Pferderücken hebt und senkt sich im Wechsel auf beiden Seiten. Während das Pferd das rechte Hinterbein nach vorne bewegt, wird  rechtsseitig der Bauchmuskel angespannt, wodurch der Rücken des Pferdes auf der rechten Seite aufgewölbt und der Rückenmuskel gedehnt wird. Das gleiche gilt natürlich auch für die linke Seite.  Diese Aufwölbung ermöglicht dem Pferd den Raumgriff der Hinterhand. Wenn man nun ein Pferd – wie es in der klassischen Reitweise gelehrt wird – treibt,  indem man mit dem Gesäß beidseitig im Takt nach vorne schiebt, stört man die Statik und damit den flüssigen Bewegungsablauf des Pferdes. Der gedehnte, angehobene Rückenmuskel wird Schubkräften nach vorne ausgesetzt, die ihn kontrahieren; somit wird der Raumgriff gestört. Günstiger ist es - angepasst an die Bewegung des Pferderückens - abwechselnd das linke und rechte Sitzbein abzusenken (natürlich ohne in der Hüfte abzuknicken). Dadurch wird der jeweilig aufgewölbte Rückenmuskel entlastet, der Raumgriff erhalten und der kontrahierte Rückenmuskel auf der abgesenkten Seite erhält einen sanften Impuls, mit dem man das Pferd in seiner Bewegung unterstützt. Auf diese Weise signalisiert man dem Pferd, dass der Erhalt seiner Eigenbewegung vom Reiter erwünscht ist.

Bremsen und Treiben

Wünscht man, dass das Pferd anhält, hört man einfach auf seine Bewegung zu unterstützen, der Reiter wird passiv und lässt sich ein wenig in den Sattel „sacken“ (es ist hilfreich, dieses anfänglich mit einem hörbaren Ausatmen zu verbinden). Das Pferd spürt dieses Signal der Passivität und wird selber passiv, also anhalten. Um wieder Anzureiten bringt man Spannung in die eigene Körpermuskulatur und gibt mit dem Gesäß einen Impuls nach vorne. Sobald das Pferd antritt unterstützt man es wieder in seiner Bewegung wie oben beschrieben. Mit etwas Übung lässt sich das so verfeinern, dass es einem gelingt, das Pferd in der jeweiligen Gangart zu beschleunigen oder zu verlangsamen, indem man dem Bewegungsrhythmus des Pferdes ein wenig „vorweg eilt“  oder „hinterher hinkt“, bis das Pferd sich dem damit von uns vorgegebenen Rhythmus anpasst.

Mit „Fokus“ lenken

„Fokussieren“ bedeutet: etwas auf einen zentralen Punkt richten. Wenn wir unser Pferd zu einem bestimmten Punkt reiten wollen, richten wir uns selbst auf diesen Punkt aus, unseren Blick und auch unsere Körperhaltung. Liegt der angesteuerte Punkt gerade vor uns, geht unser Blick nach vorne, der Körper ist gerade gerichtet, beide Beine liegen gleichmäßig leicht am Pferd an. Wollen wir einen Punkt ansteuern der rechts von uns liegt (also eine Kurve reiten), richten wir wiederum unseren Blick auf das erwünschte Ziel. Dies tun wir allerdings nicht heimlich und verstohlen aus dem Augenwinkel, sondern indem wir unseren Körper auch diesem Ziel zuwenden. (Bitte darauf achten, dass die Schultern auf einer Höhe bleiben und die Hüfte nicht eingeknickt wird.) Durch diese Drehung des Oberkörpers stellt sich quasi automatisch die richtige Hilfengebung durch Gewicht und Schenkel ein und das Pferd wird nach rechts abwenden. Das lässt sich ganz prima auf einem normalen Drehstuhl ausprobieren und üben. Füße parallel und mit gleichen Druck auf den Boden, Oberkörper senkrecht halten und dann dreht ihr euren Oberkörper nach rechts oder links. Der Drehstuhl wird durch die Gewichtskräfte, die auf ihn einwirken eurer Bewegung folgen. Die gleichen Gewichtskräfte übertragt ihr auch auf den Pferderücken. Bei weniger sensiblen Pferden kann man die Hilfe noch durch ein „Austreten“ (Belasten) des inneren Steigbügels unterstützen.

 

Diese Seite gibt nur einen kleinen Einblick in die „leichte“ Reitweise. Meine kurzen Beschreibungen ersetzen natürliche keine Schulung, die auch hierfür, wie für jeden anderer Reitstil erforderlich ist. Gerade im Bereich Wander- und Distanzreiten ist eine minimale Hilfengebung  von enormem Vorteil, da sie für Reiter und Pferd keine Anstrengung darstellen.

 

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