Pferdepsychologie

 

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[Vorwort] [Pferdepsychologie] [Grundausbildung] [alternatives Reiten]

Das Naturell des Pferdes

Um mit Pferden sinvoll arbeiten zu können, muß man zunächst mal lernen, sie zu verstehen, d.h. man sollte sich mit Ihrer Psyche vertraut machen: Der Pferde-Mensch sollte in der Lage sein, sich in sein Pferd und dessen Sichtweise des Lebens hineinzuversetzen.

Verteidigung durch Flucht

Das Pferd ist ein Fluchttier, das heißt seine Verteidigung bei Gefahr besteht aus Weglaufen. Dafür wurde es auch von der Natur mit den ensprechenden Eigenschaften ausgestattet. Es verfügt über ein scharfes Auge mit einem Sichtfeld von 270 Grad und ist in der Lage kleinste Bewegungen auch in großer Entfernung wahrzunehmen. Das Gehör und auch der Geruchssinn von Pferden ist deutlich besser entwickelt als beim Menschen. Die Reaktionszeit des Pferdes ist minimal und seine Anatomie befähigt es zu blitzschnellen Starts, Stopps und Richtungswechseln. Diese Eigenschaften sind für Pferde überlebenswichtig, denn schließlich wollen sie nicht als leckeres Abendessen eines Raubtieres enden.

 Nur wenn ihm eine Flucht nicht möglich ist, stellt es sich der Gefahr und kämpft auch. Ebenso wie Menschen unterschiedlich mutig sind, trifft dieses auch für Pferde zu. Manche betrachten Alles als Gefahr, was sie nicht auf Anhieb zuordnen können. Dies betrifft nicht nur Dinge, die sie optisch erfassen, sondern auch Geräusche und Gerüche. Ich hatte selbst schon mit Pferde zu tun, die so sensibel waren, das bereits das Öffnen eines Klettverschlusses an meiner Jacke eine Fluchtreaktion hervorrief. Natürlich haben wir dieses Geräusch dann trainiert (ebenso, wie noch viele andere) und nachdem er aus Erfahrung lernte, dass diesem Geräusch nichts Negatives folgte, hat er seine Reaktion darauf eingestellt.

Der Herdentrieb

Dass es sich beim Pferd um ein Herdentier handelt ist sicherlich allgemein bekannt. Daraus ergeben sich auch die Unarten des "Klebens" an den Artgenossen bzw. am Stall - das Pferd sucht den Schutz der Gruppe.  In der Herde herrscht eine klar definierte Rangfolge und Aufgabenverteilung.  Ein Teil der Pferde hält Wache, damit die Anderen ihre Nerven entspannen und  grasen oder Ruhen können. Tritt eine Gefahr auf, rennt die gesamte Herde auf das Signal der Kollegen los. Gibt das Alpha-Tier "Entwarnung" beruhigt sich die Herde wieder.

Trennt man ein Pferd von seinen Gefährten und nimmt ihm den Schutz der Herde wird es unsicher.  Die Aufgabe der Wachsamkeit obliegt ihm selbst, es muß sich nun allen von Außen auf es zukommenden Problemen alleine stellen und auch selbst die Entscheidung treffen, ob eine Gefahr besteht oder nicht, die Fluchtbereitschaft wird erhöht.

Den Herdentrieb kann man sich bei der Aubildung zu Nutzen machen, indem man einen ruhigen, erfahrenen Artgenossen Dinge "vormachen" läßt. Ebenso kommt er dem Pferde-Menschen zugute, wenn er sich das Vertrauen des Pferdes erarbeitet und vom ihm als Leittier angesehen wird, denn dann wird das Pferd seine Nähe suchen und ihm, ebenso wie einem vierbeinigen Artgenossen folgen.

Die Sensitivität

Unter Sensitivität versteht man die Fähigkeit, Emotionen von anderen wahrzunehmen. Diese Fähigkeiten ist bei Pferden sehr stark ausgeprägt. Dies kann dem Menschen sowohl zum Vorteil als auch zum Nachteil gereichen. Der Reiter überträgt seine eigene Stimmung auf das Pferd. Ist der Reiter entspannt, gibt er seinem Pferd Sicherheit, ist er entschlossen überträgt er Mut. Ebenso übertragt er aber auch seine Ängste und Unsicherheiten.

Ein ganz "normales" Problem - Fallbeispiel

Betrachten wir mal das Gegenspiel zwischen Pferd und Reiter bei einem üblichen Scheuen des Pferdes.  Das Pferd sieht oder hört etwas Verdächtiges und denkt: >Ein Raubtier! Nichts wie weg.< Wenn das Übel von vorne kommt, beginnt die Flucht auch noch mit einer Kehrtwendung. Der sattelfeste Reiter, der sich danach noch auf dem Rücken seines verängstigten Freundes befindet, wird mit einem flotten Galopp belohnt. Die übliche Reaktion des Reiters besteht  in dem Versuch, das Pferd zu bremsen. Da der Reiter jetzt ja auch schon unter Adrenalin steht, wird er keine ordnungsgemäße Parade geben, sondern vielmehr ziemlich unkontrolliert an den Zügeln ziehen. Das Pferd wiederum fühlt sich hierdurch in seiner Angst bestätigt: >Das Monster hat mich eingeholt und will mich festhalten.< Es wird um so heftiger versuchen sich gegen den Zügel aufzulehnen und wegzurennen oder sogar in seiner Panik den Reiter auf seinem Rücken für den vermeintlichen Angreifer halten und gezielte Maßnahme, wie Bocken oder Haken schlagen ergreifen, um ihn abzuschütteln.

Dann hoffen wir mal, dass diese erste Aktion klimpflich abgelaufen ist, das Pferd irgendwann wieder zu Sinnen kam und sich beruhigte. Jetzt geht der Ritt weiter. Das Pferd ist aufgekratzt, seine Sinne sind geschärft, es wird die Augen offen halten. Der Reiter, der das muntere Zwischenspiel eher nicht so lustig fand, wird auch so schnell keine Wiederholung anstreben und erstmal die Knie zuhalten und auch die Zügel straffer nehmen. Das Pferd ist nervös, der Reiter ebenso und das Anspannungswettrüsten hat begonnen. Dies ist ein Teufelskreis, den nur der Reiter, der ja sicherlich der Klügere von beiden ist, unterbrechen kann.

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