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[Vorwort] [Pferdepsychologie] [Grundausbildung] [alternatives Reiten]

Die Ansprüche des Freizeitreitens

Freizeitreiten ist entgegen dem ihm häufig anhaftenden Ruf kein anspruchsloses „Sich nur Tragenlassen“. Das Reiten im Gelände stellt an Reiter und Pferd vielfältige Ansprüche und vor dem entspannten Ausritt müssen Beide Einiges lernen und üben.

Das Pferd muss erlernen seine Füße geschickt zu setzen, damit es nicht über jede Wurzel stolpert, muss Pfützen und auch Bäche durchqueren, über diverse Arten von Brücken gehen… Dann ist da noch die Sache mit dem Scheuen. Ein gutes Geländepferd sollte verkehrssicher sein, es muss der Begegnung mit Traktoren standhalten. Überall im Wald raschelt es, ein Vogel fliegt auf, man trifft auf freilaufende, bellende Hunde und auch mal auf Rehe und - Gott sei Dank eher selten – Wildschweine. Dazu kommt, dass man ja auch die anderen Benutzergruppen des Waldes, wie Fußgänger, Walker, Jogger und Radfahrer nicht in Angst und Schrecken versetzen möchte.

Um sich und Andere beim Ausritt nicht in Gefahr zu bringen, gilt es, den Fluchttrieb des Pferdes zu minimieren und sein Vertrauen zum Reiter zu stärken.

Wer ist hier der Chef?

Damit ein Pferd nicht entsprechend seinem Naturell bei einer vermeintlichen Gefahrensituation panisch davon stürmt, sondern „an den Hilfen bleibt“ muss es zunächst mal seinen Reiter als Leittier anerkennen.

So bedauerlich es auch ist, die Einstellung: Bin ich lieb zu dir, bist du auch lieb zu mir, funktioniert beim Pferd nicht. Innerhalb seiner Herde (und das Pferd sieht den Reiter – günstigstenfalls-  als Bestandteil seiner Herde) kennt das Pferd nur ranghöher oder rangniedriger. Dem im Rang höher stehenden Herdenmitglied wird es sich unterordnen und sein Verhalten anpassen. Jetzt ist also der Mensch gefragt, dem Pferd zu vermitteln, dass er die Herde anführt. Gewalt ist dabei der schlechteste Weg, denn dann tritt der ungünstigere Fall ein, dass das Pferd den Menschen als Raubtier betrachtet und Angst anstatt Vertrauen entwickelt. Besser ist es, sich den Respekt des Pferdes durch sanfte Dominanz zu erarbeiten. Dafür gibt es gute Übungen in der Bodenarbeit.

Dominanztraining

Dominanz ist eine Frage der inneren Einstellung. Vor dem Training mit dem Pferd sollte man sich einen Moment der Ruhe nehmen um sich zu sammeln, wenn du es so nennen willst – zum Meditieren, um dann mit Selbstbewusstsein an das Pferd heranzutreten. Ein Pferd lässt sich nicht so leicht hinters Licht führen. Wenn du dich zwingst energisch zu wirken, aber innerlich zauderst… – Es wird dich durchschauen.

Als Arbeitsprogramm greife ich selbst mit guten Ergebnissen auf die Vorschläge von Klaus Ferdinand Hempfling und Pat Parelli, zurück. Hempfling hat die Körpersprache der Pferde durch langfristige Beobachtungen von Wildpferdeherden studiert und ihre Bewegungen auf den zweibeinigen Menschkörper übersetzt. Die „Friendly-Games“ und „Weicheübungen“ von Pat Parelli, sind mit geringen Mitteln überall durchführbar und erzielen sehr schnell das Vertrauen und die Aufmerksamkeit des Pferdes und seinen Willen zur Mitarbeit. Diese Übungen im Einzelnen zu beschreiben, würde den Rahmen dieser Website sprengen. Wer beabsichtigt in dieser Form mit seinem Pferd zu arbeiten, sollte sich einfach die Bücher darüber anschaffen.

Monthy Roberts ist mir persönlich zu aufwendig. Sein Join-Up kann bei sehr willensstarken Pferden zwar hilfreich sein um mit entsprechendem Sicherheitsabstand zum Pferd erst mal "die Fronten zu klären“, aber wer hat schon ständig einen tragbaren Round-Pen dabei.

Bodenarbeit

Wenn wir erreicht haben, dass das Pferd uns vertrauensvoll als Leittier anerkennt, können wir anfangen, uns den Anforderungen von Außen zu stellen – wiederum zunächst mit Bodenarbeit. Das Pferd fühlt sich nämlich sicherer, wenn es sein „Leittier“ im Blick hat und dieses ihm durch seine Körpersprache Sicherheit vermittelt.

Die Trittsicherheit lässt sich sehr gut mit Stangenarbeit vielfältigster Natur schulen.

Die Cavalletis sollten dabei nicht nur in Reih und Glied angeordnet werden, sondern auch mal leicht diagonal und in unterschiedlichen Höhen. Auch Stangenlabyrinthe - vorwärts und rückwärts zu durchschreiten- schulen das Mitdenken des Pferdes.

Eine abwechslungsreiche Gestaltung der Aufgaben hält das Pferd und auch den Menschen bei Laune.

Das beste Mittel gegen Schreckhaftigkeit ist Gewöhnung. Wer ein Pferd schon als Fohlen besitzt, kann sich vieles erleichtern, wenn er es als Handpferd neben einem erfahrenen, ruhigen Artgenossen mitnimmt, so dass es das „Standardprogramm Wald“ quasi spielerisch erlernt. Dies ist natürlich auch mit dem erwachsenen Pferd noch möglich, in jungen Jahren lernt es sich nur besser.

Spezialsituationen wie flatternde Plastikplanen müssen gezielt inszeniert und geübt werden. Wichtig ist, sich in kleinen, logisch aufgebauten Schritten dem gewünschten Endziel anzunähern. Ich will das hier mal am Beispiel der Plastikplane schildern:

Ein guter Übungsaufbau hierfür ist es, zunächst mal mit einer längeren Gerte das Pferd überall zu berühren und zu streicheln. Wenn es sich das ruhig gefallen lässt, bindet man einen Plastikstreifen an das Ende der Gerte und wiederholt die Übung. Danach nimmt man eine Plastiktüte in die Hand und streichelt wieder, im Anschluss das Gleiche mit einer gefalteten Plastikplane, die man Stück für Stück auffaltet, bis es gelingt, einem gelassen stehenden Pferd die komplett aufgefaltete Plane über den Rücken zu legen. Wenn ein Pferd Angst hat, sollte man ihm natürlich zunächst mal die Arbeitsmittel zeigen und es daran schnuppernlassen.

Der nächste Schritt ist eine Plastikplane am Boden, die das Pferdüberschreiten soll (Die Plane sollte an den Ecken beschwert werden, damit sie nicht vom Wind hochfliegen kann). Hier sollte man daran denken, verschiedene Farben von Planen auszuprobieren.

Weitere Trainingsmittel für Schreckfestigkeit sind Luftballons (ruhig auch mal einen in einiger Entfernung platzen lassen), Regenmäntel, Regenschirme, Bälle, verschiedenfarbige Tonnen, Flatterbänder, Raschelsäcke, die man an einem Seil zunächst vor dem Pferd entlang, später um es herum und hinter ihm herzieht…. Lasse einfach deine Fantasie spielen.

Für alle Arbeitsschritte gilt: Wenn eine Übung mit Erfolg abgeschlossen wurde, wird das Pferd belohnt, indem man für diesen Tag mit der Übung aufhört, eine Wiederholung sollte am gleichen Tag nicht stattfinden. Ein zweiter wichtiger Grundsatz ist es, viel Zeit mitzubringen. Die Vorgabe, ich arbeite jetzt eine Stunde mit dem Pferd ist der erste Schritt zum Misserfolg. Wenn ein Pferd 5 Stunden braucht um sich zu Überwinden, muss man sich auch 5 Stunden Zeit nehmen. Bei schwierigen Aufgaben kann man die Zielsetzung des Tages herunterschrauben, z.B. es muss nicht komplett über die Plane laufen, ich begnüge mich damit, dass es heute einen Vorderfuß draufsetzt und einige Sekunden verharrt. Bei Pferden mit Verladeproblemen ist es völlig legitim, ruhiges Stehen mit den Vorderfüßen auf der Verladeklappe als Teilerfolg zu betrachten und mit einem Beenden der Übung zu belohnen. Wichtig ist nur, dass der Mensch die Zielsetzung vorher trifft und er, nicht das Pferd, die Übung für erfolgreich beendet erklärt.

 

Im Sattel

Nachdem wir uns am Boden das Vertrauen und den Respekt des Pferdes gesichert haben, geht’s in den Sattel..

Für die Besitzer von sehr munteren und schreckhaften Pferdenmöchte ich empfehlen, zunächst mal im sicheren Terrain (Platz, Koppel oder Halle) einige Schreckfestigkeits-Übung zu durchlaufen. Das Pferd sieht uns jetzt nicht mehr, sondern fühlt uns nur noch. Also müssen wir uns über Gesäß, Beine, Hände verständlich machen.

Die innere Einstellung

Erster Grundsatz hierbei: Das Pferd kann nur so entspannt sein, wie sein Reiter.

Angenommen, wir wollen mit dem Pferd durch einen Flattervorhang reiten, so müssen wir selbst entschlossen, gut gelaunt und angstfrei mit Blick auf das anzugehende „Hindernis“ losreiten. Innerlich sollten wir felsenfest überzeugt sein, dass die Übung ohne Probleme absolviert werden wird, denn wenn wir nur den geringsten Zweifel am Erfolg haben, wird das Pferd es spüren und auch zu zweifeln beginnen. Sollte das Pferd zögern, darf man das nicht so dramatisch nehmen. Wir behalten unsere Überzeugung bezüglich des Erfolges und bleiben freundlich, werden aber etwas bestimmter in unserer Aufforderung. Ganz wichtig: Niemals zornig werden, sonst werden wir zum Raubtier und einem Raubtier wird ein Pferd kein Vertrauen schenken. Die richtige Einstellung ist mit einem inneren Lächeln dem Pferd zu versprechen, dass es das Gewünschte ausführen wird. Damit wir unser Versprechen auch halten, müssen wir darauf achten, dass wir das Pferd immer auf das Ziel ausgerichtet halten. Niemals abwenden – denn das würde vom Pferd so gedeutet, dass es dich überzeugt hat, dass deine Idee durch den Vorhang zu reiten doch nicht so gut ist. Es würde an deiner Entschlossenheit zweifeln – ein Nährboden für seinen Widerstand.

Wie bereits bei der Bodenarbeit, gilt auch für die Arbeit im Sattel: kein Zeitlimit. Die Zeit, die wir uns nehmen, um mit unserem Pferd zu trainieren, ist genau die Zeit, die wir benötigen, um die begonnen Übung zu beenden.

Wie diskutiert man mit einem Pferd?

Bleiben wir beim Flattervorhang. Obwohl wir frohgemut drauf zureiten, sagt unser Pferd plötzlich: >Nein, da möchte ich nicht näher ran< und bleibt stehen oder versucht abzuwenden. Also müssen wir das Thema diskutieren. Wir halten das Pferd mit dem Kopf zum Ziel gerichtet (auch unser Blick gilt dem Ziel) und treiben es mittels Gewicht und Schenkelhilfen. Sobald das Pferd beginnt unserer Aufforderung nachzukommen, vermindern wir unseren Druck. Die Belohnung für das Pferd, wenn es sich in unserem Sinne verhält, besteht immer im „gemütlicher machen“. Wenn es eine „falsche Antwort“ auf unsere Anfrage gibt, machen wir es ihm unbequem. Wenn das Pferd versucht, sich durch rückwärtsgehen zu entziehen, verstärken wir wieder den Druck und zwar umso mehr je weiter es zurückweicht. Dies kann durch rhythmisches, immer schneller werdendes Klopfen mit den Schenkel oder - was ich persönlich bevorzuge - mit dem carrot-stick (spezielle Gerte) erfolgen. Dabei soll das Pferd nicht fest geschlagen werden. Es ist vielmehr erwünscht, den gleichen Effekt zu erzielen, wie ein Radiowecker, der zunächst langsam und dann in immer schneller werdenden Rhythmus piept, bis er ausgeschaltet wird. Sobald das Pferd einen Schritt nach vorne macht, wird der Wecker ausgeschaltet, d.h. wir hören schlagartig auf zu „nerven“.  Wenn das Pferd wieder stehen bleibt, fangen wir erneut bei der kleinsten Stufe des Drucks an.

Wenn man sich konsequent an diese Vorgehensweise hält, wird der Punkt, an dem das Pferd unserer Aufforderung nachkommt mit der Zeit immer früher einsetzen.

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